Eine Hohlmünze der Äbtissin Margarethe II. zur Lippe und eine verwandte Prägung

Von Detlev Hölscher.

 

Überarbeitete Fassung eines Aufsatzes des Verfassers in: Bremer Beiträge zur Münz- und Geldgeschichte Bd. 3, Bremen 2001, S. 95-100 und der erweiterten Fassung in: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 2002/2003, Bielefeld 2002, S. 39-50.

 

Forschungsstand zur Herforder Münzgeschichte

 

Ein zeitgemäßes Corpuswerk zu den Münzen des Reichstifts und der Stadt Herford steht gegenwärtig noch aus. Die 1877 veröffentlichte Arbeit von H. Grote stellt noch heute die grundlegende Publikation zur Herforder Münzgeschichte dar1. Spätere Autoren lieferten zum Thema lediglich knappe generelle Darstellungen2, Beiträge zu einzelnen Teilaspekten3 oder Neuvorstellungen von Einzelmünzen im Rahmen von thematisch umfassenderen Monographien, Fundveröffentlichungen, Sammlungs- und Auktionskatalogen und eigenständigen Aufsätzen. Letzteres soll auch hier geschehen.

 

Herforder Münzgeschichte im Überblick

 

Es entzieht sich genauerer Kenntnis, wann dem 789 gegründeten und um 800 in den Bereich zwischen Aa und Werre in das heutige Stadtgebiet von Herford verlegten Frauenstift das Münzrecht verliehen worden ist. Für das Jahr 973 bestätigte und erneuerte Kaiser Otto I. dem Reichsstift Herford die Ausübung des Münz- Markt- und Zollrechts in Odenhausen (im heutigen Stadtteil Radewig). Die betreffende Urkunde4 erwähnt eine ältere Münzrechtsverleihung an das Reichsstift Herford seitens eines nicht näher bezeichneten Königs Ludwig. Hinter diesem Herrschernamen könnte Ludwig I. der Fromme (814-840), Ludwig II. der Deutsche (843-876), Ludwig III. „der Jüngere“ (876-882) oder aber Ludwig IV. das Kind (900-911) stehen. Ludwig der Fromme hat das Frauenstift Herford zum Reichsstift erhoben, großzügig ausgestattet und ihm somit einen vergleichbaren Rang zugemessen, wie dem Männerkloster Corvey, dem er das Privileg der Münzprägung bereits im Jahre 822 gewährt hatte. Es ist demnach durchaus möglich, dass dem Stift Herford bereits in der Regierungszeit Ludwigs des Frommen das Münz-, Markt- und Zollrecht verliehen worden ist. Doch auch Ludwig der Deutsche hat sich als ein großer Förderer des Reichsstifts Herford hervorgetan und käme ebenfalls in dieser Hinsicht als Erteiler dieser Privilegien in Betracht. Ludwig das Kind hat hingegen in der urkundlichen Überlieferung Herfords keinerlei Spuren hinterlassen, die auf die Vergabe eines solchen Diploms hindeuten könnten, doch tritt er ebenso wie Ludwig der Fromme als Stifter von Münzrechtsdiplomen besonders in Erscheinung.

Sicher identifizierbare Herforder Münzen sind freilich erst aus dem 11. Jahrhundert bekannt5. Für die Jahre zwischen 1120 und 1190 fehlen hingegen wieder jegliche historischen und numismatischen Belege für eine Prägung des Frauenstifts. Erst für die darauffolgende Zeit existieren wieder hinlängliche Zeugnisse. Um 1200/1210 sind wieder Prägungen der Äbtissin nachweisbar6. Von 1224 bis zum Ende des 14. Jahrhunderts haben die Kölner Erzbischöfe hier ihr Münzrecht ausgeübt. Äbtissin Gertrud II. zur Lippe hatte diverse Rechte an der Alt- und Neustadt, u.a. auch das Münzrecht, dem Erzbischof Engelbert I. (1216-1225) zur Hälfte abgetreten, da dieser in seiner Eigenschaft als Herzog von Westfalen ihr im Gegenzug das Recht zum Bau und zur Befestigung der Herforder Neustadt erteilt hatte. Von etwa 1390 bis 1545 ruhte in Herford der Münzhammer. Im fünften Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts, wohl erst im Jahre 15467, entstand hier wieder eigenes Geld, als unter Äbtissin Anna II. von Limburg (1520-1565) die Prägung wieder aufgenommen wurde, wobei fortan die Abtei nun zusammen mit der Stadt als das Münzrecht ausübte8. Auch unter Margarete II. zur Lippe (1565-1578), der Nachfolgerin der Äbtissin Anna II., wurde die Münzprägung in entsprechender Konstellation fortgeführt. Im Jahre 1567 wurde der Äbtissin, unter dem Vorwurf, schlechtes Geld geprägt zu haben, jegliche weitere Ausmünzung untersagt. Hiermit endete die Münzprägung des Stifts Herford. Im Jahre 1580 und von 1636 bis 1646 prägte die Stadt in Alleinregie. Nach Ihrer Einverleibung in den brandenburgischen Staat erfolgte schließlich noch in den  Jahren 1670-1671 im Namen der Stadt, aber unter der Aufsicht der kurfürstlichen Regierung eine umfangreiche Emission von Kupfermünzen.

 

Eine weithin unbekannte Herforder Hohlmünze und ihr Pendant

 

Aus der letzten, von 1565 bis 1567 währenden Periode der gemeinschaftlichen Münzprägung des Damenstifts und der Stadt Herford sei hier zunächst eine kleine unscheinbare Münze vorgestellt, die bereits in einer niederländischen Fundveröffentlichung angezeigt wurde und 1995 im Handel auftauchte, aber weithin unbeachtet blieb. Sie hat bislang noch keine ausführlichere Würdigung erfahren und erweist sich im folgenden als Schlüsselstück für die Zuweisung einer Prägung, die seit Grote für mehr als 100 Jahre unwidersprochen Herford zugewiesen worden ist, aber in jüngster Zeit für Münster postuliert wird.

 

 

Abb. 1

 

Abb. 1 Hohlpfennig oder –heller9 o.J. (1565-1567), Herford. Quadrierter Wappenschild von spanischer Form. Im rechten oberen und im linken unteren Feld ein Balken (Wappenbild der Stadt), im linken oberen Feld die fünfblättrige Rose der Grafen zur Lippe, im rechten unteren Feld eine auf einem sechsstrahligen Stern stehende Schwalbe nach links (Wappenbild der in lippischem Besitz befindlichen Grafschaften Schwalenberg und Sternberg). Ringsumher ein Hohlreif.

          Literatur: Fund Zuidlaren10 120a. Vorkommen im Handel: Westfälische Auktionsgesellschaft für Münzen und Medaillen, Dortmund, Auktion 5, 8./9. Mai 1995, Nr. 835 (das Exemplar aus dem Fund von Zuidlaren, Prov. Drenthe/Niederlande). Verbleib: Privatbesitz, 0,17 g.

 

Diese aufgrund ihrer Heraldik ohne jeden Zweifel für Herford zu beanspruchende Hohlmünze steht in Anbetracht ihrer gestalterischen Konzeption wie auch der Messdaten jener „stummen“ und undatierten Hohlprägung recht nahe, die Grote als Gemeinschaftsprägung der Äbtissin Anna II. und der Stadt Herford angesprochen hat:

 

 

Abb. 2

 

Abb. 2 Hohlpfennig oder -heller11 o.J. Vierfeldiger Wappenschild von spanischer Form. Im rechten oberen und linken unteren Feld ein Balken, im linken oberen und rechten unteren Feld ein Löwe steigend nach links. Ringsumher ein Hohlreif.

          Literatur: Grote Nr. 51; Limburg-Stirum12 Nr. 53; Schulten13 Nr. 1189; Fund Zuidlaren 120; Ilisch Nr. 20. Vorkommen im Handel: Sammlung Erbstein Nr. 7239; Sammlung Pieper Nr. 1998; Kölner Münzkabinett Auktion 46, 21./22.4.1988, Nr. 1559. Aufbewahrungsorte: 1) Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, 0,15 g (Einzelfund Münster, Mauritzkirche); 2) Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, 0,09 g (Münster, Einzelfund Domherrenfriedhof); 3) Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster, (Exemplar der Sammlung Erbstein) 0,15 g; 4) Städtisches Museum Herford (ohne Gewichtsangabe); 5) Stadtarchiv Bielefeld (ohne Gewichtsangabe); 6) Privatbesitz, 0,13 g (mit leichten Ausbrüchen am Rand, aus Auktion Kölner Münzkabinett; dieses Exemplar hier abgebildet).

 

Diese Münze hat in der Literatur der vergangenen Jahrhunderte unterschiedliche Zuweisungen erfahren. Man findet sie erstmals abgebildet in einem Buch mit dem Titel „Het Thresoor oft schat van alle de specien figuren en sorten van Gouden ende Silverenen munten...“, welches 1580 der Antwerpener Drucker und Verleger Willem (Guilleum) van Parijs herausgegeben hat zum nützlichen Gebrauch für Münzmeister, Wechsler, Rentmeister, Kaufleute und andere Liebhaber von Antiquitäten, wie der Nachsatz der Titelei verrät12.

 

 

Abb. 3

 

Abb. 3 Holzschnitt des unter Abb. 2 im Foto vorgestellten Typs des Hohlpfennigs oder Hohlhellers o.J. Abbildung in: Guillaeum van Parijs (Drucker und Verleger), Het Thresoor oft schat van alle de specien figuren en sorten van Gouden ende Silverenen munten, allen Muntmeesters, Wisselaers, Rentmeesters, Cooplieden, ende alle liefhebbers der Antiquiteyten zeer bequaem ende nootdelijck. Antwerpen 1580. Dort bestimmt als „Halder van Luyck“ (Heller von Lüttich).

 

Gegen Schluss dieses mit zahlreichen unnummerierten Holzschnitten (und ohne Seitenangaben) ausgestatteten Werkes finden wir eine Abbildung der oben beschriebenen Kleinmünze samt Bezeichnung „Halder van Luyck“, also als Heller des Bistums Lüttich ausgewiesen (Abb. 3). Mit entsprechender Zuweisung ist diese kleine Hohlprägung im einem 1830/1831 erschienenen Katalog der Münzen des Bistums Lüttich publiziert worden13. Erst Grote hat diese Kleinmünze als Herforder Prägung aus der Zeit der Gemeinschaftsprägung der Stadt und der Äbtissin Anna II. von Limburg angesprochen14. Die alte Zuweisung an Lüttich verwarf er aufgrund gewisser heraldischer Details15. Graf Limburg-Stirum folgte der Groteschen Zuweisung, auch die Autoren der Kataloge der Sammlungen Erbstein16 und Pieper17 ordneten diese Kleinmünze entsprechend zu. In der älteren und jüngeren maßgeblichen numismatischen Literatur zu den Lütticher Münzen18 fehlt ansonsten jeglicher Hinweis auf dieses Münzchen.

Die seit 1877 allgemeingültige Bestimmung der Zuordnung nach Herford und die chronologische Einordnung der Münze in die Regierungsjahre der Äbtissin Anna II. (1520-1565) blieben bis ins letzte Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts unwidersprochen. In seinem Corpuswerk über die episkopalen münsterschen Münzen des Mittelalters führte Peter Ilisch im Jahre 1994, ohne konkrete Erläuterung und ohne auf das Grotesche Zitat zu verweisen, diese Kleinmünze19 sowie eine bis dato unbekannte Variante mit spiegelverkehrter Anordnung der Wappenbilder20 als Prägungen des Bischofs Heinrich von Schwarzburg (1466-1496) auf und datierte sie somit nicht, wie bisher geschehen, in das fortgeschrittene 16., sondern in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts.

In der Tat ließen sich die Wappenbilder auf dieser Münze durchaus voll und ganz auf die Heraldik dieses Bischofs anwenden; der Balken im quadrierten Schild stünde dann für das Hochstift Münster, und der Löwe ließe sich als das in entsprechender Manier dargestellte Wappentier der Grafen von Schwarzburg deuten. Der Umstand, dass kleine Hohlmünzen innerhalb Serien der Prägungen der münsterschen Bischöfe Heinrich II. von Mörs (1424-1450) bis hin zu Johann von Hoya (1566-1574) in nahezu ungebrochener Folge21 vorkommen, könnte ebenfalls einen Beweggrund für die neue Zuordnung darstellen. Als drittes Argument für eine Zuordnung nach Münster ließen sich weiterhin die Fundvorkommen ins Feld führen. Die Fundortnachweise zur Variante Grote Nr. 51 (= Ilisch S. 152, Nr. 20) beziffert Ilisch auf zwei; beide liegen innerhalb der münsterschen Stadtgrenzen22; hinzu kommt freilich noch das Exemplar aus dem niederländischen Fund Zuidlaren. Die durch Ilisch neu vorgestellte Variante (Ilisch S. 152, Nr. 19) ist hingegen lediglich durch ein in Lippstadt gefundenes Fundstück bekannt geworden und bietet hinsichtlich der Fragestellung der Zuweisung nach Münster oder Herford keinen sachdienlichen Hinweis. Hinterfragen wir nun einmal im Detail all die Argumente, die für eine Heimat dieser Münze in Münster sprächen.

In Münster wurden einseitige Hohlprägungen (Heller) von Bischof Heinrich von Mörs (1424-1450) bis hin zu Bischof Johann von Hoya geprägt, freilich bis auf eine Ausnahme23, nicht mit vierfeldigen Schilden, sondern anderen Wappenformen24 – wenn wir von der fraglichen Hohlmünze und ihrer Variante einmal absehen. Zudem sei betont, dass Bischof Heinrich von Schwarzburg auf keiner der ihm eindeutig zuweisbaren münsterschen Münzen25 einen vierfeldigen Schild mit den Wappenbildern des Stifts und seiner Familie führte.

Das Vorkommen der Hohlmünze Grote Nr. 51 und die Vergesellschaftung mit dem entsprechenden Nominal der Margarethe II. zur Lippe in dem um 1572-1577 vergrabenen niederländischen Schatzfund sprechen jedoch für einen späteren zeitlichen Ansatz dieser Münze und für eine Zuweisung an die Herforder Münzstätte. Der Eintrag im 1580 herausgegebenen Wechslerbuch des Willem van Parijs untermauert ebenfalls die Datierung der Münze Grote Nr. 51 nach 1545, in die Phase der gemeinschaftlichen Münzprägung der Abtei und der Stadt Herford sowie ihr über Westfalen hinausreichendes Umlaufgebiet. Die Münze begegnet hier gemeinsam mit weiterem Kleingeld des 16. Jahrhunderts, u.a. einem ebenfalls unter Äbtissin Anna II. geprägten Herforder Körtling vom Etschkreuzertyp. An älteren Münzen, so aus dem 15. Jahrhundert, sind in jener Veröffentlichung lediglich Goldmünzen und größere Silbermünzen abgebildet, die auch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in nennenswertem Umfang noch im Geldverkehr anzutreffen waren. Eine solch kleine, insbesondere zarte und fragile Blechmünze dürfte hingegen kaum in nennenswerter Zahl über die Spanne rund eines Jahrhunderts im Geldumlauf verblieben sein und somit Eingang in eine entsprechende, dem alltäglichen Gebrauch in Handel und Wandel dienende Publikation gefunden haben.

Die Einzelfundnachweise geben hingegen keinerlei Klärung der zeitlichen Stellung für diese Münze – sei es nun die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts oder um die Jahrzehnte um die Mitte des 16. Jahrhunderts. Einzelfunde können im Gegensatz zu Schatzfunden keinerlei zeitlichen Ansatzpunkte liefern. Die Verdichtung auf Münster mit gleich zwei Einzelfundnachweisen an zwei unterschiedlichen Fundorten im Stadtbereich muss nicht zwangsläufig als Indiz für die Neuzuweisung der Münze gewertet werden, zumal mit lediglich diesen beiden Nachweisen keine zuverlässige statistische Basis gegeben ist. In die kritische Bewertung der Fundvorkommen muss zudem einbezogen werden, dass sämtliche publizierten diesbezüglichen Fundexemplare aus archäologischen Grabungen unter wissenschaftlicher Leitung herrühren. Somit ist auch der unterschiedliche Stand der archäologischen Erforschung von Münster und Herford, resp. dem Umland beider Städte und zugleich die zufallsbedingte Überlieferung dieser unscheinbaren, dünnen, zerbrechlichen und erheblich korrosionsgefährdeten Hohlmünze zu berücksichtigen, die anhand von Oberflächen-Lesefunden bislang nicht nachweisbar ist. Zahl und Umfang der archäologischen Untersuchungen und baubegleitenden wissenschaftlichen Beobachtungen sind in Münster  höher zu veranschlagen ist als in Herford26.

 

Die beiden Hohlmünzen im Rahmen der Herforder Münzprägung der Jahre 1546 bis 1567

 

Doch betrachten wir die beiden von uns diskutierten Hohlmünzen einmal vor dem Hintergrund der Herforder Münzprägung der Jahre von 1546 bis 1567. Folgende Tabelle soll die Serie der bisher ermittelten Nominale für jene Zeit veranschaulichen:

 

Nominal

Anna II. von Limburg, 1520-1565

Margarethe II. zur Lippe, 1565-1578

Taler

Halbtaler

Vierteltaler / Ortstaler

Mariengroschen

„Kleiner Groschen“

 

Körtling vom Etschkreuzertyp / 4‑Pfennig

Leichter Körtling / 3‑Pfennig

 

Dreier

 

Hohlpfennig oder –heller

 

Wie sich hier unschwer erkennen lässt, schließen sich die unter Äbtissin Margarethe II. herausgegebenen Prägeserien eng jenem Spektrum der Nominale an, welches ihre Vorgängerin Anna II. emittieren ließ27. Unter beiden Äbtissinnen wurden neben dem Taler28, dem Halbtaler29 und Vierteltaler30, Mariengroschen31 und Körtlinge vom Kreuzertyp32 geschlagen. Für Anna II. sind zudem der „kleine Groschen“33, der leichte Körtling34 und Dreier35 sicher verbürgt, deren Nachweise für Äbtissin Margarethe II. freilich noch ausstehen. Die aufgrund heraldischer Kriterien ohne jeglichen Zweifel für Herford erwiesene Zuordnung des von uns eingangs beschriebenen Hohlpfennigs der Äbtissin Margarethe II. lässt somit auch den von uns besprochenen einseitigen Pfennig Grote Nr. 51 unschwer in diese Zusammenhänge rücken. Nach Abwägung aller oben besprochenen Problemfelder möchten wir den Hohlpfennig Grote Nr. 51 daher wieder mit Nachdruck Bedenken für Herford reklamieren, da er die Prägereihe der Gemeinschaftsprägung von der Äbtissin Anna II. und der Stadt als kleinstes Nominal bestens ergänzt und in Verbindung mit den Gemeinschaftsprägung von der Äbtissin Margarete II. und der Stadt ein geschlosseneres Bild der Herforder Münzprägung des 16. Jahrhunderts formt.

Doch sind weitere numismatische Überraschungen für die Herforder Münzgeschichte durchaus auch künftig zu erwarten. So lassen die im Bestand des Städtischen Museums Herford befindlichen Prägestempel36 für die Regierungsjahre der Äbtissinnen Anna II. und Margarethe II. die einstige Existenz drei weiterer Herforder Münztypen in Groschen- und Vierteltalergrösse möglich erscheinen37. Ob mit den betreffenden Stempeln im 16. Jahrhundert indes tatsächlich geprägt worden ist, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit klären38. Nur Funde von originalen Münzen aus diesen Prägeeisen resp. Abbildungen oder Beschreibungen solcher Prägungen in Valvationen oder verwandten archivalischen Quellen des 16. oder 17. Jahrhundert könnten hierzu künftig eine Antwort liefern.

 

Anmerkungen

1   H. Grote, Die Münzen von Herford, in: Münzstudien 8. Bd., Leipzig 1877, S. 343-420. Als ältere Arbeiten zur Herforder Münzgeschichte seien hier in chronologischer Reihe genannt: J. von Mader, Kritische Beiträge zur Münzkunde des Mittelalters, H. 5, Prag 1815, S. 117; Punge, Ueber das Muenzwesen der Stadt Herford, in: Mindener Sonntagsblatt 38. Stück, 21. September 1817, S. 27-28; (A. V. W.) Rose, Zur Erläuterung der lithogr. Zeichnungen von Münzen und Siegeln der Stadt Herford, in: Westphälische Provinzial-Blätter Bd. 1, 1847, S. 141-144; H. Ph. Cappe, Die Mittelaltermünzen von Münster, Osnabrück, Paderborn, Corvei und Herford, Dresden 1850; N.N., Numismatische Zeitung 1850, Sp. 84ff.

2   R. Kohl, Herfords metallene Chronik, in: Ravensberger Blätter 32, 1932, S. 38f, 45f, 51f; P. Berghaus, Hervordepordpfennige im Baltikum und in Schweden, in: Westfalenspiegel 16, 1967, S. 12-16; ders., Münzgeschichte Herfords, Herford 1971.

3   In chronologischer Reihenfolge nenne ich hier: J. Weingärtner, Beschreibung der Kupfer-Münzen Westfalens nebst historischen Nachrichten, Paderborn 1872-1873, S. 338-341; Th. Comte de Limburg-Stirum, Monnaies d’ Anne de Limburg, Abesse d’ Herford, 1520 à 1565, in: Revue Belge de Numismatique 1898, S. 19-43 ; F. Freiherr von Schrötter, Die Münzen Friedrich Wilhelms des Grossen Kurfürsten und Friedrichs III. von Brandenburg auf Grundlage der Sammlung des kgl. Münzkabinetts, Berlin 1913, S. 199; ders., Münzen Friedrich Wilhelms des Grossen Kurfürsten und Friedrichs III. von Brandenburg, Münz und Geldgeschichte 140-1700, Berlin 1922, S. 236, 251-253; W. Hävernick, Die Münzen von Köln. Die königlichen und erzbischöflichen Prägungen der Münzstätte Köln, sowie die Prägungen des Erzstifts Köln. Vom Beginn der Prägungen bis 1304 (Die Münzen und Medaillen von Köln, erster Band), Köln 1935, S. 258-262; P. Berghaus, Währungsgrenzen des westfälischen Oberwesergebietes im Spätmittelalter, (Numismatische Studien H. 1) Hamburg 1951, insbes. S. 22-24) W. Schulten, Deutsche Münzen aus der Zeit Karls V., Typenkatalog der Gepräge zwischen dem Beginn der Talerprägung (1484) und der dritten Reichsmünzordnung (1559), Frankfurt/Main 1974, S. 132f; S. Steinbach, Das Geld der Nonnen und Mönche. Münzrecht, Münzprägung und Geldumlauf der ostfränkisch-deutschen Klöster in ottonisch-salischer Zeit (ca. 911-1125). Als Manuskript gedruckt Berlin 2007, S. 128, -132, 246.

4   Monumenta Germaniae Historica, Diplome Ottos I, 430; auszugsweiser Abdruck des Textes auch bei Grote S. 343 f (dort mit der alten Datierung der Urkunde in das Jahr 974) und D. Menadier, Die Münzen und das Münzwesen der Reichsäbtissinnen im Mittelalter. Inaugural-Dissertation, Berlin 1915, S. 23, Anm. 45.

5   Grote Nr. 1 und Berghaus, Münzgeschichte (siehe Anm. 2) Abb. 3, 4a, 4b.

6   Grote Nr. 2 und Berghaus, Münzgeschichte (siehe Anm. 2) Abb. 6.

7   Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Herforder Münzprägung unter Äbtissin Anna II. wurde bislang in das Jahr 1545 angesetzt. Dieser zeitliche Einordnung basiert nicht auf urkundlichen Quellen, sondern auf  einer numismatischen, dem Taler Grote Nr. 37, der eine nicht eindeutig deutbare, auf Zehner- und Einserziffer verminderte Jahreszahl (15)„15“ aufweist. Grote deute diese Ziffern als Angabe für 1545. Nach unserer Einschätzung dürfte es sich dabei aber vielmehr um eine irrtümliche Vertauschung der auf Zehner- und Einserzahl verminderten Jahresangabe 1551 seitens des Stempelschneiders handeln; vgl. in diesem Zusammenhang auch die Deutung von E. Bahrfeldt in: Ders., Brandenburgisch-preussische Münzstudien H. 2, Berlin 1930, S. 11 bezüglich der Taler Grote Nr. 37 und Nr. 40). Demnach markiert die datierte Münzserie von 1546 (Taler, Mariengroschen, „kleiner Groschen“, Körtling zu 4 Pfennigen) den Beginn der Münzprägung unter Äbtissin Anna II. von Limburg (zu den Nachweisen der Münzen siehe Anm. 28-35).

8   Die Frage, warum die Äbtissin fortan gemeinsam mit der Stadt Münzen prägte, ist bislang nicht hinreichend diskutiert.

9   Eine terminologische Festlegung des Nominals dieser Münze scheint mir beim derzeitigen Forschungsstand nicht angebracht.

10  (E. van Gelder,) De 16e eeuwse muntschat van Zuidlaren, in: Jaarboek voor Munt-en Penningkunde 67, 1980, p. 183-199.

11  Siehe Anmerkung 9.

12  Guillaeum van Parijs (Drucker und Verleger), Het Thresoor oft schat van alle de specien figuren en sorten van Gouden ende Silverenen munten, allen Muntmeesters, Wisselaers, Rentmeesters, Cooplieden, ende alle liefhebbers der Antiquiteyten zeer bequaem ende nootdelijck. Antwerpen 1580.

13  C. W. Comte de Renesse-Breitbach, Histoire numismatique de l’évêché et de principauté de Liège depuis les temps les plus reculés, jusqu’à la reunion de ce pays à la république française, enrichie de dessins de principales médailles, médaillons, jetons et monnaies, Bruxelles 1830, 1831, S. 81, Nr. XXXIV.

14  Grote [vgl. Anm. 1] S. 400.

15  Der Wappenschild des Stifts Lüttich zeigt unter Bischof Georg von Österreich den Löwenschild des Stifts Lüttich links oben und rechts unten sowie den österreichischen Bindenschild rechts oben und links unten.

16  Adolph Hess Nachfolger (Hrg.), Sammlung Erbstein, Nachlass des † Herrn Geh. Hofraths Dr. Richard Julius Erbstein, Director des Königl. Münzcabinets, des Grünen Gewölbes und der Porzellan-Sammlung zu Dresden, Ritter hoher Orden etc., II. Abtheilung: Münzen und Medaillen der Kaiser, Könige, Päpste und geistlichen Fürsten, Katalog der Auktion Frankfurt am Main 18. Januar 1909 und folgende Tage, Frankfurt am Main 1908.

17  Kunst-Auktionshaus Math. Lempertz, Köln (Hrg.), Sammlung Wilhelm Pieper, Soest, I. Teil, Rheinland nebst Nachbargebieten sowie ein Teil von Westfalen, Math. Lempertz’sche Versteigerung 248, Mittwoch 16. März 1927 und folgende Tage, Köln 1927.

18  J. de Chestret de Haneffe, Numismatique de la principauté de Liége et ses dépendances (Bouillon, Looz) depuis leurs annexions, Bruxelles 1890, supplément Liége 1900 ; J. de Mey, Les monnaies des princes-evêques des Liège (1544-1792), Bruxelles 1998.

19  Ilisch S. 152, Nr. 20.

20  Ilisch S. 152, Nr. 19. Diese Variante zeigt den nach links steigenden Löwen im linken oberen und rechten unteren Feld sowie den Balken im rechten oberen und linken unteren Feld. Dieses Wappenbild entspräche somit der Heraldik des Lütticher Bischofs Georg von Österreich, vgl. Anm. 12.

21  Ilisch S. 126ff.

22  Fundorte: Münster, Mauritzkirche und Münster, Domherrenfriedhof.

23  Ein unter dem Vorgänger von Heinrich von Schwarzburg, Bischof Johann von Pfalz-Simmern (1457-1466) geprägter Heller (Ilisch S. 137 Nr. 12).

24  Ilisch S. 126 ff.: Walram von Mörs (1450-1456), Niederrhein wahrscheinlich um 1426 eingeführt worden Heller der um 1426 emittierten niederrheinischen Art mit einfeldigem Wappenschild, der mit einem kleineren Stiftsschild belegt ist (Ilisch S. 126, Nr. 8); Johann von Hoya (1450-1456) Pfennig oder Heller (Ilisch S. 130, Nr. 6) mit einfeldigem Schild; Johann von Pfalz-Simmern (1457-1466), Möhrchen auf pfälzischen Schlag mit einem gespaltenen Schild (Ilisch S. 137, Nr. 10) und Vierschildheller (Ilisch S. 138, Nr. 13);. Heinrich von Schwarzburg (1466-1496), Hohlpfennig oder Möhrchen mit gespaltenem Schild (Ilisch S. 145, Nr. 11) und Hohlpfennig oder Möhrchen mit dem einfeldigen Stiftsschild, welcher mit einem kleineren Schild mit dem Familienwappen des Bischofs belegt ist (Ilisch S. 151, Nr. 18 – zu diesen beiden Typen wären gemäß Ilisch der von uns besprochene Hohlpfennig Grote Nr. 51 und dessen Variante Ilisch S. 152, Nr. 19, beide mit quadriertem Schild, hinzuzufügen); Konrad von Rietberg (1497-1508), Hohlheller oder Fering mit einfeldigem Wappenschild (Ilisch S. 158, Nr. 10); Erich von Sachsen-Lauenburg (1508-1522) Hohlpfennig 1522 mit zwei nebeneinander stehenden Wappenschilden (Ilisch S. 158, Nr. 13); Friedrich von Wied, Vierschildheller (Ilisch S. 175, Nr. 4). Von Bischof Franz von Waldeck (1532-1553) sind Hohlprägungen nicht bekannt. Mit einem unter Johann von Hoya (1566-1574) emittierten Vierschildheller aus der Zeit 1572/1573 (Ilisch S. 207, Nr. 12) endet die Hohlmünzenprägung der Bischöfe von Münster.

25  Ilisch S. 139-151, Nrn. 1-18.

26  Obgleich frühere kleinflächigere Ausgrabungen innerhalb der Stadtgrenzen Herfords sowie insbesondere die zwischen 1988 und 1990 durchgeführten umfangreichen archäologischen Untersuchungen rund um das Münster und auf dem Rathausplatz in Herford enorm wertvolle Erkenntnisse zur Entwicklung von Stift und der Siedlung erbrachten, so muss doch die stadtarchäologische Prospektion von Münster deutlich höher und in der Summe der Masse der Beobachtungen auch flächendeckender eingeschätzt werden, da dort bereits spätestens seit dem Ende des 2. Weltkrieges seitens des am Ort ansässigen Amtes für Bodendenkmalpflege zahlreiche archäologische Grabungen und Baustellenbeobachtungen erfolgten. Zu den Ausgrabungen von 1988-1990 in Herford siehe M. Wemhoff, Das Damenstift Herford, Die archäologischen Ergebnisse zur Geschichte der Profan- und Sakralbauten seit dem späten 8. Jahrhundert, 3 Bde., Bonn 1993. Zu den im Rahmen dieser Ausgrabungen aufgefundenen Fundmünzen siehe P. Ilisch ebd. Bd. I, S. 205-207.

27  Die Zitate in Anm. 28-35 beinhalten lediglich exemplarische Nachweise für die jeweiligen Nominale und deren Jahrgänge, sie sollen nicht ein komplettes Verzeichnis von deren Varianten beinhalten, um den hier vorgegebenen thematischen Rahmen nicht zu sprengen.

28  Äbtissin Anna: Taler (15)„15“ (Grote Nr. 37, dort Deutung dieser Jahresangabe als fehlerhaft geschriebene „45“ und somit Kürzel für die Jahresangabe 1545. Nach unserem Ermessen wäre die Jahresangabe als vom Stempelschneider irrtümlich „verdrehte“ 51, also als Jahreszahl 1551 zu interpretieren, siehe auch Anm. 7; Taler 1546 (Grote Nr. 38); Taler 1547 (E. Bahrfeldt, Brandenburgisch-preussische Münzstudien H. 2, Berlin 1930, S. 11, Nr. 1 und 2); Taler 1547/1548 (Zwitterprägung Grote Nr. 39); Taler 1548 (Grote Nr. 40); die Talerprägung  „1551 ?“ (Grote Nr. 40) bedarf noch eingehenderer Klärung, E. Bahrfeldt postuliert a.a.o. S. 11, dass die Grote Nrn. 37 und 41 identische Typen seinen; Taler 1552 (Grote Nr. 41); o.J. (vor 1557, Grote Nr. 36). Äbtissin Margarete: Taler 1565 (E. Stange, Ein Taler von 1565 der Margarethe zur Lippe, Aebtissin zu Herford 1565-1578, und der Stadt Herford, in: Frankfurter Münzzeitung Neue Folge 4. Jg. 1933, S. 106-107; Berghaus 25).

29  Äbtissin Anna: Halbtaler 1552 (Sammlung Carl Farina, Cöln: Auktion Adolph Hess, Frankfurt am Main vom 1. Mai 1893 und folgende Tage, Nr. 1158 und 1159); Äbtissin Margarethe: ½-Taler 1565 (Grote Nr. 54).

30  Äbtissin Anna: Vierteltaler 1552 (Grote Nr. 43); Vierteltaler o.J., geprägt vor 1557 (z.B. Hugo von Saurma-Jeltsch, Die Saurmasche Münzsammlung deutscher, schweizerischer und polnischer Gepräge von etwa dem Beginn der Groschenperiode bis zur Kipperzeit, Berlin 1902, S. 79, Nr. 3234, Tf. LVI, 1712). Die Prägung von Vierteltalern unter Äbtissin Margarethe II. lässt sich bisher nicht aus dem Münzbestand heraus beweisen, sondern wurde aufgrund eines überlieferten Prägeeisens lediglich postuliert (Frankfurter Münzzeitung Neue Folge 4. Jahrgang 1933, S. 106 und Tf. 12, Abb. 2). Aufgrund der Messwerte des in die Prägefläche eingebrachten Münzbildes könnte der Stempel durchaus für die Herstellung von Vierteltalern konzipiert worden sein. Das darauf indizierte Münzbild mit einem Wappenschild auf einem Blumenkreuz spricht m. E. hingen eher für ein anderes Nominal, da Vierteltaler mit entsprechendem Bildmotiv aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts nicht unbedingt zu erwarten sind. Ein Vierteltaler der Margarethe II. zur Lippe könnte in seinen Bildmotiven vielmehr dem Taler dieser Äbtissin (vgl. Anm. 28) und dessen in motivlicher Hinsicht sehr verwandten Halbstück (vgl. Anm. 29) entsprechen.

31  Äbtissin Anna: Mariengroschen 1546 (Grote Nr. 44); Mariengroschen 1550 (Grote Nr. 45); Mariengroschen 1551 (Grote Nr. 46); Mariengroschen 1557 (Schulten Nr. 1184); Mariengroschen o.J. (vor 1557, Grote Nr. 47; nach 1557, Grote Nr. 48). Äbtissin Margarethe: Mariengroschen o.J. (Grote Nrn. 55, 56).

32  Äbtissin Anna: Körtling zu 4 Pfennigen 1546 (Sammlung Weygand: Auktion Adolf Hess Nachfolger, Frankfurt am Main, vom 15. Januar 1917 und folgende Tage, Nr. 3364); Körtling zu 4 Pfennigen o.J. (Grote 49); Äbtissin Margarethe: Körtling zu 4 Pfennigen o.J. (E. Bahrfeldt, Brandenburg-Preussische Münzstudien, H. 2, Berlin 1930, S. 10).

33  Kleiner Groschen 1546 (Auktion Adolph Cahn, Frankfurt am Main, 10. Dezember 1903 und folgende Tage  1264; dort als „halber Groschen“ bezeichnet).

34  leichter Körtling zu 3 Pfennigen oder ¼-Mariengroschen o.J. (Busso Peus, Beiträge zur Münzkunde Westfalens – Ein leichter Körtling o.J. von Herford, in: Frankfurter Münzzeitung Neue Folge 2. Jahrgang 1931, S. 214).

35  Dreier (3-Pfennige) o.J. (Grote Nrn. 50, 53); Dreier 1550 (Grote Nr. 52); Dreier 1559 (Münzenhandlung Fritz Rudolf Künker, Osnabrück, Auktion 25 vom 29. September–1. Oktober 1993, Nr. 2347).

36  Im Bestand des Museums befinden sich insgesamt 23 eiserne Prägestempel für Herforder Münzen: 3 Untereisen und 7 Obereisen für Pfennige sowie 1 Obereisen für einen Vierling der Äbtissin Hildegunde von Otgenbach (1374-1409), 6 Obereisen für die Gemeinschaftsprägung der Stadt und des Reichsstift aus der Zeit der Äbtissin Anna II. sowie 4 Obereisen und 1 Untereisen für die Gemeinschaftsprägung der Stadt und des Reichsstift aus der Zeit der Äbtissin Margarethe II.

37  Bedauerlicherweise liegen für diese bislang in Form geprägter originaler Münzen nicht nachweisbaren (und somit mangels Material- und Gewichtsangaben nicht klar definierte) Typen keine Stempelpaare (d.h. komplementäre Ober- und Untereisen), sondern lediglich einzelne Obereisen vor. Die aus diesen Stempeln tatsächlich geprägten oder lediglich projektierten Nominale sind daher nicht präzis charakterisierbar. Einer dieser Prägestempel lässt demzufolge eine groschengroße Münze aus der Amtszeit der Anna II. von Limburg postulieren, die auf ihrer Aversseite einen quadrierten tartschenförmigen Wappenschild aufweist. Dieser Stempel weist freilich kaum Abnutzungsspuren auf seiner Schlagfläche auf; seine Prägefläche ist hingegen stark abgerieben und in alter Zeit möglicherweise gezielt unbrauchbar gemacht worden. Eine Ausmünzung dieses Typs könnte demnach in ausgesprochen geringer Stückzahl erfolgt sein, sie mag zu jener Zeit auch gar nicht mehr stattgefunden haben (vgl. zu letzterer Möglichkeit Anm. 39). Zwei weitere Obereisen für zwei weitere Typen, die im überlieferten Münzbestand bislang nicht zu ermitteln sind, datieren in die Regierungsperiode der Margarethe II. Der eine Prägenstempel (Frankfurter Münzzeitung Neue Folge 4. Jahrgang 1933, S. 106, Tf. 12, Abb. 3) ist für ein Geldstück in Größe eines Mariengroschens gefertigt worden, das andere Eisen (Frankfurter Münzzeitung Neue Folge 4. Jahrgang 1933, S. 106 und Tf. 12, Abb. 2), ist für ein noch nicht sicher zu definierendes Nominal (vgl. Anm. 30) hergestellt worden.

38  Alle drei Stempel weisen mehr oder minder starke Verschleißspuren durch Hammerschlag auf. Der diesbezügliche Stempel aus der Zeit der Äbtissin Anna wurde offensichtlich kaum benutzt, die Schlagflächen der beiden betreffenden Stempel aus der Zeit der Äbtissin Margarethe II. zeigen durchaus Gebrauchsspuren, wenngleich einer nicht sonderlich starken Abnutzung.

     So könnten die beiden diesbezüglichen Stempel aus der Zeit der Margarethe II. noch kurz vor dem Verbot und dem Ende der gemeinschaftlichen abteilich-städtischen Ausmünzung im Jahre 1567 angefertigt worden und somit  über einen nur kurzen Zeitraum zum Münzen verwendet worden sein. In späterer Zeit, d.h. wohl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wurden mit diesen Stempeln erwiesenermaßen Neuabschläge hergestellt, die freilich auch gewissen Verschleiß der Prägeeisen bewirkt haben könnten. Belegt sind spätere Abschläge auf viereckigen Schötlingen aus Blei (u.a. im Stadtarchiv Bielefeld) von sämtlichen mittelalterlichen und neuzeitlichen Herforder Prägestempeln der Herforder Museumssammlung. Daneben existieren von dem in Herford bewahrten Stempelpaar des Halbtalers 1565 der Margarethe II. sogar Neuabschläge auf silbernem Schrötling (Kunst-Auktionshaus Math. Lempertz, Köln (Hrg.), Sammlung Wilhelm Pieper, Soest, I. Teil, Rheinland nebst Nachbargebieten sowie ein Teil von Westfalen. Math. Lempertz’sche Versteigerung 248, Mittwoch 16. März 1927 und folgende Tage. Köln 1927, Nr. 1995; dort als Neuabschlag ausgewiesen, aber irrtümlich unter den Prägungen der Anna von Limburg verzeichnet). Zum Zwecke der Nachprägung ist das Obereisen dieses Stempelpaares verkürzt und den Erfordernissen der modernen mechanischen Prägetechnik angepasst worden.